I am the master of my fate
I am the captain of my soul.
-William Ernest Henley (1875)
„Ich bin der Meister meines Schicksals. Ich bin der Kapitän meiner Seele.„
In diesen zwei, über 150 Jahre alten Sätzen steckt so viel Wahrheit und Weisheit, dass sie mir seit dem Tag, an dem ich sie das erste Mal gehört habe, ein Leitsatz geworden sind.
Gemeint ist damit, dass es nur eine einzige Person gibt, die entscheidet, wer du bist und wie andere dich sehen sollen. Du selbst!

Von heute auf morgen damit umgehen zu müssen, seine Beine weder zu spüren, noch bewegen zu können, ist nicht einfach zu verkraften. Jeder versteht, dass es mal einen harten Tag gibt. Auch helfen die Operationen und Fremdkörper wie Schrauben und Platten im Körper nicht gerade bei einer schnellen Genesung oder schmerzfreier Bewegungsfreiheit.
Wichtig ist, zu verstehen, dass man um Hilfe bitten darf und diese auch annehmen kann, ohne dabei bedürftig oder hilflos zu wirken. Gerade kurz nach einem solchen Unfall oder Schicksalsschlag muss man ja selbst auch erst einmal lernen, wie alles funktioniert.
Mir hat es dabei sehr geholfen, dass meine Freunde und Familie für mich da waren und mich unterstützten, wo sie konnten. Außerdem hatte ich das Glück direkt drei Monate in Obhut von Profis in einer Reha lernen zu können, wie ich die Tücken des Alltags meistern kann, ohne aufstehen zu können.
Alleine sich hinzusetzen, wenn man kein Gleichgewicht mehr halten kann, muss neu gelernt werden. Jegliche Bewegung ist anders als man es gewohnt ist und fast jede Neue scheint am Anfang fast unmöglich. Hier heißt es dann Zähne zusammen beißen und ausprobieren.
Aber dazu später einmal mehr.

Was jeder in einer solchen Situation begreifen muss, ist nicht einfach, aber wahr:
Meine Diagnose definiert nicht, wer ich bin!
Ich selbst entscheide, wer ich bin und was ich aus meinem Leben machen möchte.
Es ist nicht, was ich nicht mehr kann oder nicht schaffen werde, sondern was ich trotzdem schaffe und wie ich es trotzdem umsetzen kann!
Nicht was ich verloren habe, sondern wie ich weiter komme.
Nicht wer ich war. Wer ich bin!
Nur weil ich nicht mehr laufen kann, bin ich kein anderer Mensch! Ich habe immer noch dieselben Träume, Ängste, Gefühle und Interessen. Nicht die Situation beschreibt mich, sondern meine Art, sie zu meistern.
Im Rollstuhl zu sitzen muss nicht zwangsläufig bedeuten, bemitleidet zu werden. Es ist anderen nicht wichtig, ob ich sitze oder stehe. Es ist wichtig, was ich für einen Charakter habe, was ich ausstrahle und wie ich mich gebe. Es wird sich daran orientiert, wie ich mit meiner Situation umgehe, nicht in welcher Situation ich bin.
Auch, wenn es mir sehr wichtig war, so schnell wie möglich wieder selbstständig zu werden und mein Leben in den Griff zu bekommen, ist es keine Schwäche um Hilfe zu bitten.
Stärke bedeutet nicht, keine Schwächen zu haben und alleine durchs Leben gehen zu können, sondern sich seiner Schwächen bewusst zu sein, diese zeigen zu können und zu wissen, dass man nicht immer stark sein muss.
Das Leben besteht nicht aus Erinnerungen oder Träumen. Es findet im hier und jetzt statt und dreht sich um die Leute, die einem wichtig sind. Personen, die man liebt, von denen man geliebt wird und denen man blind vertraut.
Das Leben ist gerade dann erst lebenswert, wenn man nicht in Erinnerungen versinkt, sondern neue schafft! Und wer immer daran teilhaben möchte, den sollten wir alle mit einem Lächeln empfangen. Alleine kann man nicht glücklich werden!
Ohne meine Familie und meine Freundin wäre ich niemals so weit, wie ich inzwischen gekommen bin. Ich bin ihnen unendlich dankbar, dass sie ein Teil meines Lebens sind. Sie sind der grund, warum ich glücklich bin, warum ich die Kraft habe, jeden Tag weiterzumachen und niemals aufzugeben. Sie sind der Teil meines Lebens, für den ich leben will!




